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Universell musikalisch

von adminZuletzt verändert: 27.09.2012 20:32 Foto: Heinz Jörres

Zum viel zu frühen Tod des Jazzsaxofonisten und Musikpädagogen Robert Artikel von Raff Döring, erschienen in der Neuen Osnabrücker Zeitung, 22.08.2012

Zum viel zu frühen Tod des Jazzsaxofonisten und Musikpädagogen Robert Kretzschmar


robert.jpgOSNABRÜCK. Eine frühe Komposition von Robert Kretzschmar heißt „2 No 1". Auf den ersten Blick ein kryptischer Titel, doch in dieser Formel fließt ein großer Teil seines musikalischen Werdegangs zusammen. Denn der Jazzsaxofonist. Bluesmusiker und Pädagoge startete seine Laufbahn als klassischer Pianist. Und als solcher setzte er sich - natürlich - mit den Klaviersonaten Ludwig van Beethovens auseinander. Tagelang, nächtelang. Irgendwann entdeckte er dann das Tenorsaxofon für sich - und den Jazz. Als kreativer Komponist übersetzte er seine intensive Arbeit am Neuen Testament der klassischen Klaviermusik in Jazz: Denn gemeint ist die Klaviersonate Opus zwei Nr. 1, Beethovens erste Klaviersonate in f-Moll.
Damit ist angelegt, was Kretzschmars Musikerdasein immer kennzeichnete: Vielseitigkeit. Er spielte innovativen Jazz in der Band von Joachim Raffel, er prägte mit dem Saxofon und vielleicht noch mehr durch seine Arrangements für die große Besetzung den Sound der Blues Company, für die abendfüllenden Shows und Theaterproduktionen mit der Sängerin und Schauspielerin Christiane Hagedorn komponierte und arrangierte er, spielte auch mal das Akkordeon, und in „Brazzz" lebte er seine Lust am musikalischen Klamauk aus. Dank seiner universellen Musikalität glitt er aber nie ins Beliebige ab. Was Robert Kretzschmar machte, machte er mit liebenswertem Humor - und ernsthaft.
Diese Kombination erklärt auch seinen Erfolg als Pädagoge an der Universität und der Musik- und Kunstschule. „Groove Doctor and the Funky Sisters" nannte er einmal eine Combo mit Studierenden der Universität; auf dem Programm standen Titelmelodien von „Biene Maja", „Fred Feuerstein" oder der „Sendung mit der Maus" in ebenso eigenwilligen wie humorvollen Versionen. Und in der Big Band „Tuten und Blasen" führte er die Leistungen ambitionierter, aber eben nicht professioneller Musiker auf ein begeisternd professionelles Niveau, das Kretzschmars mit geistvollen Robert Kretzschmar Moderationen präsentierte.
Mit seinem leisen Witz nahm er jeden für sich ein, der mit ihm zu tun hatte: Musiker, Schüler, Freunde, Familie. Ja. Familie: Trotz seiner siebzig bis achtzig Konzerte, die er jedes Jahr in ganz Deutschland spielte -seit 2009 etwa war er Saxofonist in der Rock-' n' -Roll-Band von Tatortkommissar Miro Nemec - blieb Robert Kretzschmar ein  Freundes- und Familienmensch. Das drückte sich etwa aus, wenn er in Kompositionen für sein Klaviertrio „Three' s a Crowd" Frau, Kinder und die Nachbarschaft musikalisch porträtiert. Bei ihm entsprangen solche Freundschafts- und Liebeserklärungen nie populistischer Beliebigkeit, sondern dem Bedürfnis, den wirklich wichtigen Dingen im Leben Ausdruck zu verleihen.
Nach Jahren in einer Musiker-WG zog er mit seiner Familie aufs Land, in einen kleinen, schmucken Kotten bei Venne. Zwar musste er dort früh aufstehen, um Islandponys, Esel, Hund und Katzen zu versorgen. Dafür konnte er ungestört üben, seine Arrangements schreiben, neue Projekte entwickeln. In diesem Herbst wollte er eines zum Thema Klezmermusik in Angriff nehmen. Dazu wird es nicht mehr kommen: Am vergangenen Freitag ist Robert Kretzschmar im Irland-Urlaub an einem Herzinfarkt gestorben, mit nur 50 Jahren. Er hinterlässt seine Frau und drei Kinder - und eine große Lücke, nicht nur im Musikleben.


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